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Dornbirn, 16.01.2014

Jobreportage 22: Matura oder doch besser eine Lehre?

„Wie kann man nur so doof sein, die Schule abzubrechen?“, fragt mich ein kleiner Junge im Zug. Ich grinse nur. Denn diese Frage habe ich schon allzu oft beantwortet.

Vier Jahre Grundschule, vier Jahre Hauptschule oder Gymnasium und dann am besten noch die Matura machen, das heißt: nochmal vier Jahre Schulunterricht. Dass viele diesen Weg bis ans Ende gehen, hat meist folgende Hintergründe: Einem Kind wird nie wirklich beigebracht, sich früh selbst für seinen Weg zu entscheiden. Man erzählt dir als Kind auch nicht wirklich, wohin der Weg dich führen wird, man sagt nur, dass es wichtig ist, Matura zu haben, denn am Ende verdient man mit einer Matura mehr. Dass man auch ohne Matura Erfolge erzielen kann und wie man für sich die richtige Entscheidung trifft … das habe ich hier zusammengefasst.

Ein Maturant ohne Studium ist wie ein Auto ohne Reifen
Zuerst einmal ist festzustellen, dass jedes Jahr an Österreichs Schulen durchschnittlich 40.000 Schüler maturieren. Eine beachtliche Zahl, wenn man bedenkt, dass der Arbeitsmarkt grundsätzlich bereits erschöpft ist und die Anzahl von entsprechenden Jobs in allen möglichen Bereichen meist sehr gering ist. „Aber deswegen musst du studieren“, hört man die Mutter argumentieren, während man als Kind verzweifelt am Schreibtisch sitzt und Matheformeln in seinen Kopf hineinzwängt, während man eigentlich doch ganz genau weiß, dass man nie Mathematiker werden wird. Events will man organisieren, endlich mal arbeiten in einem Bereich, der Spaß macht.

Mein Entschluss zum Schulabbruch
Ja, ich habe für mich den persönlichen Entschluss gefasst, die Schule während des 11. Schuljahres abzubrechen, denn was mir in der Schule passierte, war mehr als ungeheuerlich. Durch den Leistungsdruck hatte ich das Gefühl, Jahr für Jahr dümmer statt intelligenter zu werden. Natürlich steigt das Allgemeinwissen, sofern man sich für Geschichte und Geografie interessiert, und natürlich sollte man wissen, dass Österreich zweimal beim Weltkrieg dabei war und dort eine Hauptrolle gespielt hatte. Und ja: Natürlich sind das allesamt wichtige Fakten, aber den Einstieg ins Berufsleben erleichtert dieses Wissen nicht. Denn in Bewerbungsgesprächen zählen vor allem die Sozialkompetenzen des Bewerbers oder der Bewerberin, weniger das Schulwissen.

Wer ist mein/e neue/r Mitarbeiter/in?
Wie reagiert er/sie unter Stress?
Ist er/sie kritikfähig? Wo sind die Grenzen?
Wie gut ist er/sie im rhetorischen Bereich?

All diese Fragen sind für einen Dienstgeber von großer Wichtigkeit. Immerhin muss entschieden werden, welche/r Bewerber/in welche Rollen in der Firma übernehmen wird und kann. Schulabsolvent/innen ohne jegliche Joberfahrung sind damit aber oft überfordert und müssen wieder bei null anfangen. Null heißt in meinem Fall: Lehre. Als Lehrling zum Mediengestalter setzte ich mich dann bereits mit 16 mit Medienkompetenzen auseinander. Im Betrieb lernte ich praktisch die Tätigkeiten und Pflichten in einem Unternehmen kennen. Wissen, das in der Schule garantiert nicht auf dieser Ebene vermittelt wird.

Mit Eigeninitiative reif für die Arbeitswelt
Viele Maturanten stehen deswegen vor einem Problem. „Lehre? Oder tatsächlich noch studieren?“ Die Matura hat sehr wohl auch einen Vorteil: Der positive Abschluss der Matura berechtigt zum Studieren, man darf in jedem Alter und zu jeder Zeit an einer Uni ein Studium absolvieren. Dies gilt nicht für Schulabbrecher/innen. Sie müssen ganz genau wissen, was sie studieren wollen, und sich dann einer Studienberechtigungsprüfung unterziehen, welche ebenso zeitraubend und anstrengend ist und die bei einem Studienwechsel ihre Gültigkeit verliert.

Entscheidungen selber treffen ist Pflicht
Wichtig ist, selbst eine Entscheidung zu treffen. Natürlich haben Eltern gewissermaßen Einfluss, aber sofern wirklich Schwierigkeiten im Unterricht da sind und man sich quasi nur noch durch den Unterrichtsstoff durchkämpft, um am Ende genau gleich zu sein wie 40.000 andere Schüler/innen in Österreich, verliert das Ganze sowohl an Sinn als auch an Zweck. Ich selbst habe bereits mit 14 an vielen Projekten und Jugendbeteiligungsgeschichten teilgenommen. Wenn du dich dafür entscheiden willst, die Schule abzubrechen, dann ist es wichtig, bereits eine Alternative in petto zu haben. Informiere dich außerhalb deiner Schulzeit bereits über verschiedene Möglichkeiten und bewirb dich bei dem einen oder anderen Unternehmen. Sollte dich eines nehmen, steht einem Wechsel von der Schule zu dem Betrieb nichts mehr im Weg. Sei kommunikativ und nutze die Kraft deiner Jugendlichkeit. Betriebe brauchen „frischen Wind“, um in ihrem Unternehmen Nachwuchs und Wachstum zu gewährleisten – durch Lehrlinge und neue Mitarbeiter/innen.

Lehrlinge werden definitiv gesucht, und zwar in vielen verschiedenen Bereichen. Die Matura kannst du zu jedem Zeitpunkt nachholen, sofern du die neun Pflichtschuljahre abgeschlossen hast. Es gibt auch die Möglichkeit, die Lehre mit Matura zu machen. Dazu fehlt zwar vielen die Zeit oder der Anreiz, aber dies kann ich nur wärmstens empfehlen. Na gut, man sitzt erst einmal oft am Samstagabend und lernt, aber dafür hat man dann die Matura in der Tasche.

Mein Weg
Ich für meinen Teil habe mich für die Ausbildung zum Mediengestalter entschieden. Es gab keinen Schultag in meinem Leben, der mich mehr lächeln ließ, als der Tag, an dem ich mich mit der schriftlichen Bestätigung meiner Eltern von der Schule abmeldete. Dazu muss ich erwähnen, dass ich mich natürlich bereits im Hintergrund nach einem Beruf umgesehen hatte und eine Firma erwischte, die mir die Möglichkeit gab, so lange als Praktikant zu arbeiten, bis ich eine Lehrstelle finden würde. Aus dem Praktikum wurde eine Lehrstelle, durch die ich die Möglichkeit hatte, mich die nächsten dreieinhalb Jahre ausbilden zu lassen. Der Medienbereich selbst ist wahnsinnig spannend, da man sowohl mit Kunden im Kontakt ist, als auch eigens-kreative Produkte erstellt, die vor allem in der Werbung ihren Nutzen finden. Beispielsweise gestalten wir Flyer, Plakate, Broschüren, Magazine.

Folgende Fragen und Anregungen kann ich als Entscheidungshilfe anbieten: Frage dich, was die Schule dir am Ende bringt. Setze dich einmal mit dir selbst auseinander. Was willst du? Was wollen deine Eltern? Was denkst du, was gut für dich ist? Worauf legst du Wert? Hast du eine Alternative? Gibt es einen Lehrberuf, der dich interessieren würde? Und ganz großer Tipp: Wenn du die Zeit hast, Lehre mit Matura zu machen, dann mach das!

Zum Autor:
Lukas, 20 Jahre, Dornbirn/Vorarlberg

Fotocredit: AMS/Frank Helmrich

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