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Wien, 15.01.2014

Jobreportage 19: Facebook & Co als Bewerbungshelfer?

Für die einen sind sie eine wunderbare Möglichkeit, mit Freund/innen in Verbindung zu treten oder zu bleiben, für die anderen der soziale Kinderspielplatz des Internets. Ob man sie schätzt oder verabscheut, es besteht kein Zweifel, dass soziale Netzwerke eine immer größere Rolle in unserem Leben spielen.

Warum sollten Firmen also bei der Suche und Auswahl von potenziellen Mitarbeiter/innen nicht besagte Netzwerke zu Hilfe nehmen? Schließlich bieten diese eine gute Möglichkeit, etwas mehr über die Vorlieben und Interessen zukünftiger Mitarbeiter/innen zu erfahren. Inwiefern das einen Eingriff in die Privatsphäre der Bewerber/innen darstellt, darüber streiten nicht nur Arbeitnehmer/innen mit Arbeitgeber/innen, auch die Gesetzeslage ist nicht ganz klar. Viele Firmen greifen heutzutage auf solche Mittel zurück und sehen sich gerne mal an, was die Bewerber/innen denn in den sozialen Netzwerken alles so veröffentlichen.

Facebook & Co können also einen großen Einfluss auf eine Anstellung haben. Dass dieser jedoch durchaus positiv sein kann, bestätigt beispielsweise Mag. Martin Brosig, Business Partner und Abteilungsleiter Personalentwicklung bei Ankerbrot. In seinen Zuständigkeitsbereich fällt auch das Einstellen neuer Arbeitskräfte. Für die Personalsuche nützt Ankerbrot neben Zeitungen oder der Firmenhomepage auch soziale Medien. Die Facebookseite von Ankerbrot wird als Jobplattform verwendet, aber auch um generell mit Kund/innen sowie mit potenziellen Arbeitskräften zu kommunizieren. Die sozialen Medien beeinflussen also auch maßgeblich das Bild, das Ankerbrot nach außen trägt. Erscheint das Unternehmen sympathisch, gibt es natürlich auch mehr Interessenten für zu besetzende Arbeitsplätze.

Aber wie ist das nun mit den Nachforschungen in der Privatsphäre? Mag. Brosig hält davon wenig. Obwohl Medien wie Facebook sich gut als Plattform für die Jobsuche und Ähnliches eigne, sollte zwischen den persönlichen Profilen und Postings der Nutzer/innen unterschieden werden. Für Mag. Brosig zählen weiterhin Lebenslauf, Berufserfahrung und zumindest ein persönliches Gespräch.

Auch für kleinere Unternehmen haben weiterhin persönliche Gespräche und Berufserfahrung einen höheren Wert als diverse soziale Medien. Herr Felser von Vereint, einem Unternehmen für Vereins-und Kongressmanagement, sieht das Nachforschen auf privaten Profilen in allerlei Netzwerken als Verletzung der Privatsphäre. Zwar sei es naheliegend, die heutigen Möglichkeiten auszuschöpfen, um „das Beste für seine Firma“ zu finden – und das gehe über Online-Jobportale auch gut. Soziale Medien wie Facebook lasse er dabei allerdings außer Acht. Bei der Suche nach neuen Mitarbeiter/innen seien ausführliche persönliche Gespräche essenziell . Herr Felser verzichtet meist auf Stelleninserate, denn die Branche, in dem der Verein tätig ist, ist recht klein und so suche er lieber innerhalb des Netzwerks dieses Sektors. Zurückgegriffen werde dabei auf extra dafür vorgesehene Jobportale und nicht auf soziale Medien.

Alles in allem also ein Freibrief für die Jugend des 21. Jahrhunderts, sich im Internet auszutoben und dabei nicht an die Konsequenzen denken zu müssen, da selbst größere Firmen heute noch auf Gespräche und Erfahrung Wert legen und kleinere sowieso branchenspezifische Netzwerke haben? Nein. Beiden interviewten Herren ist durchaus bewusst, dass sie mit ihrer Überzeugung, sich durch Facebook und ähnliche  Medien nicht bei der Suche nach Mitarbeiter/innen beeinflussen zu lassen, zwar nicht alleine dastehen, aber andere Unternehmen tun dies durchaus. Man bekommt heute überall gesagt, man solle aufpassen, was man von sich preisgibt, besonders im nie vergessenden Internet. Und auch wenn viele dies mit „Jaja, passt schon“ abtun, ist tatsächlich Vorsicht geboten. Man weiß schließlich nie, ob der zukünftige Chef oder die zukünftige Chefin die Fotos der letzten Party genauso lustig findet wie man selber.

Über den Autor:
Lukas Felser, 17 Jahre, Wien



Fotocredit: AMS/Frank Helmrich

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