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Symbolfoto Arbeitszimmer.cc

Salzburg, 14.01.2014

Jobreportage 17: „Offene Jugendarbeit ist Beziehungsarbeit“

Robert Miksch, Vorstandsmitglied bei BOJA (Bundesnetzwerk Offene Jugendarbeit) und Vorstand des Landesjugendbeirats Salzburg, erzählt über das Arbeitsfeld „offene Jugendarbeit“.

Was bedeutet „offene Jugendarbeit“?
Bei der „offenen“ Jugendarbeit geht es um die Freizeit und Freizeitgestaltung, die für alle  offen und in der Betreuung kostenlos ist. Jugendliche können im Rahmen von freizeitpädagogisch betreuten Angeboten einfach  „abhängen“ oder an pädagogischen Projekten teilnehmen. Eine „niederschwellige“ Einführung, also ein erleichterter Zugang zur Arbeitswelt, wird gewährleistet. „Offen" bedeutet aber auch, dass die Jugendlichen kommen und gehen können, wie es ihnen beliebt, und während der Öffnungszeiten beim Programm der Jugendeinrichtung, welche ein Jugendzentrum, ein Jugendtreff oder ein Jugendraum sein kann, mitmachen können.

Wie hängt die Organisation BOJA mit der offenen Jugendarbeit zusammen?
BOJA ist das Netzwerk für Offene Jugendarbeit in Österreich, das eine Lobbyfunktion für Jugendarbeiterinnen und Jugendarbeiter hat und maßgebend daran beteiligt ist, die Qualitätsstandards in der offenen Jugendarbeit herauszubilden. BOJA hat außerdem ein Handbuch für offene Jugendarbeit in ganz Österreich veröffentlicht und hält in allen Bundesländern Qualitätsdialoge mit Quereinsteigerinnen und Quereinsteigern ab, um ihnen das nötige Rüstzeug für Jugendarbeit und Pädagogik zu vermitteln.

Was macht offene Jugendarbeit im Gegensatz zur restlichen Jugendarbeit aus?
Jugendarbeit ist Beziehungsarbeit, Pädagogik ist hier das Wichtigste. Um den Jugendlichen den Zugang zur Arbeitswelt zu erleichtern, gibt es unterschiedliche Beschäftigungsangebote. Einige Jugendeinrichtungen bieten zum Beispiel Projekte an, die Jugendlichen als Ausbildungszeiten angerechnet werden können, wie eine Lehre, kombiniert mit einem Abschluss. Es ist sehr wichtig, Jugendliche in den tatsächlichen Arbeitsmarkt einzuführen, um zu verhindern, dass einzelne soziale Schichten im wirtschaftlichen Abseits stehen. Durch den Austausch mit anderen Kulturen und anderen Altersgruppen steht hier das soziale Lernen im Vordergrund.

Was kann offene Jugendarbeit attraktiv machen?
Die Arbeit einer Jugendeinrichtung ist dann sehr wertvoll, wenn den Jugendlichen nichts aufs Auge gedrückt wird, sondern sie aktiv am Programm teilnehmen. Das heißt, dass Jugendliche dazu angeleitet werden, so viel wie möglich selbstständig beizutragen. Das Freizeitprogramm einer Jugendeinrichtung soll Spaß machen, trotzdem sollte ein Lernkontext zu sehen sein, damit die Jugendlichen viel mitnehmen können.

Wie werden die zahlreichen Angebote finanziert?
Es gibt verschiedenste Finanzierungsquellen. Manche Städte oder Gemeinden leisten sich eine Jugendeinrichtung, um Problemen vorzubeugen. Weiters gibt es  die Landesförderungen für jede Jugendeinrichtung. Aber auch freie Träger sowie Religionsgemeinschaften haben ihre eigenen Jugendeinrichtungen. Manche werden von Sozialabteilungen des Landes finanziert, manche von der Kulturabteilung, das hängt vom Schwerpunkt der Einrichtung ab.

Ist BOJA international vernetzt?
BOJA ist das Kompetenzzentrum für Offene Jugendarbeit in Österreich. Der Verein ist eine Service- beziehungsweise Vernetzungsstelle und auch Fachstelle für Qualitätsentwicklung im Bereich der offenen Jugendarbeit und ist mit ähnlichen Organisationen europaweit vernetzt. Es gibt sogar ein weltweites Netzwerk der Jugendarbeit, das steckt jedoch noch in den Kinderschuhen.

Wo sehen Sie die größten Probleme in der Entwicklung der offenen Jugendarbeit?
Die offene Jugendarbeit muss sich manifestieren und dynamisch mit dem Gang der Zeit mitgehen. Man muss zum Beispiel das Internet mit seinen Kommunikationskanälen als Sozialraum der Jugend wahrnehmen und Anteil an der virtuellen Welt nehmen, die für die Jugendlichen keineswegs virtuell, sondern real ist. Die offene Jugendarbeit sollte einen Platz im Bildungsbereich finden und mit der Schule zusammenarbeiten können, denn wenn sich das Bildungssystem in Richtung Ganztagsschule entwickelt, wird sich die offene Jugendarbeit aufgrund des Zeitmangels der Heranwachsenden womöglich erübrigen.

„Hatten Sie persönlich bis jetzt nur positive Erfahrungen mit Jugendlichen in der offenen Jugendarbeit?“
Es ist ein sehr abwechslungsreicher Beruf, in dem selbstverständlich sowohl positive als auch negative Erfahrungen gemacht werden. Aber wenn man sieht, wie Jugendliche ihren Weg gefunden haben und man einen Anteil daran hat, dass Jugendliche eine Richtungsänderung in ihrem Leben vorhaben, ist das immer wieder ein gutes Gefühl. Negative Erfahrungen gibt es natürlich auch. Man muss lernen, dass auch sehr kleine Schritte zum Erfolg führen, auch wenn es langsam vorangeht. Wer große Schritte und ebenso große Erfolge in kürzester Zeit erwartet, hat zu hohe Erwartungen an die offene Jugendarbeit und an die Jugendlichen.

Gibt es eine Verbindung zwischen  der offenen Jugendarbeit und der Politik?
Offene Jugendarbeit ist überparteilich, überkonfessionell, agiert frei von wirtschaftlichen Zwängen und soll Jugendliche nicht in eine politische Richtung führen, aber durchaus für aktuelle Themen sensibilisieren. Dies kann dann Früchte tragen, wie zum Beispiel die Wahlbeteiligung von Jugendlichen.



Robert Miksch, Vorstand boja

Zur Autorin:
Laura , 16 Jahre, Salzburg



Fotocredit: AMS/Frank Helmrich


 

 

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