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Wien, 16.12.2013

Jobreportage 13: Volksschullehrer/in – Ein spannendes und abwechslungsreiches Abenteuer!

Es gibt in der heutigen Zeit immer weniger Lehrer/innen, denn viele wissen nicht recht, was sie mit dem Beruf anfangen sollen. Ich habe drei Lehrerinnen – Natascha Schindl, Daniele Hainka, Martina Cerny – der GTVS Aspernallee befragt, um ein klareres Bild über den Beruf des Volksschullehrers bzw. der Volksschullehrerin vermitteln zu können.

Jobreporterin: Was sind eurer Meinung nach die Vorteile/Nachteile einer Ganztageslehrerin?

Daniele Hainka: Die Vorteile sind der enge Kontakt zu den Kindern und die Rundumbetreuung – sowohl Unterricht als auch Freizeitanreize, die Begabungen der Kinder zu erkennen. Dadurch, dass Unterricht und Freizeit angeboten werden, kann der Schultag auch den Bedürfnissen der Kinder angepasst werden , d. h. wenn an einem Tag Lernen durch irgendwelche Umstände gar nicht möglich ist, können wir eine dementsprechende Pause mit zusätzlicher Bewegung, Spiel oder kreativem Tun einlegen und danach geht’s mit viel Elan weiter ;-)

Natascha Schindl: Nachteile sind die langen Tage.

Jobreporterin: Gibt es Nacharbeiten nach der Schule, und welche?

Daniele Hainka: Ja, sehr oft ... und recht viele: Hefte korrigieren, im Internet nach Ideen recherchieren, Vorbereitungen (teilweise auch Einkäufe) tätigen, berufliche Mails checken usw. Zusätzlich bestelle ich das Essen, muss oft Eltern telefonisch oder per E-Mail kontaktieren, wenn es bezüglich Abrechnung, Ermäßigungen oder Ähnlichem noch Fragen gibt. Eigentlich gibt es viel zu tun und das meiste von zuhause aus, weil in der Schule kein wirklicher Arbeitsplatz existiert.

Natascha Schindl: Die Korrekturarbeiten, vor allem in der 3. und 4. Klasse, sind in der Schule nicht zu bewältigen.

Jobreporterin: Welche Grundvoraussetzungen sollte man in den Beruf mitbringen?

Daniele Hainka: Das wichtigste ist meiner Meinung nach die Liebe zu Kindern und Geduld. Das Unterrichten kann man lernen. Wenn man aber mit Kindern nicht arbeiten will, dann ist man fehl am Platz. Immer wichtiger wird aber auch die Zusammenarbeit in Teams. Sowohl in 2er-Teams in einer Klasse, als auch in einem Schulstufenteam, aber auch mit dem gesamten Kollegium. Und natürlich viel, viel Arbeitseinsatz und Organisationsvermögen.

Martina Cerny: Wichtige Voraussetzungen sind noch eine sehr sichere Rechtschreibung, gutes Allgemeinwissen und spezielles Fachwissen in Psychologie, Soziologie, Pädagogik, Unterrichtswissenschaft sowie Konfliktlösungsfähigkeiten.

Jobreporterin: Wie ist der Ausbildungsweg und wie lange dauert er in der Regel?

Daniele Hainka: Nach der Matura habe ich die pädagogische Akademie absolviert, die damals drei Jahre dauerte.

Martina Cerny: Die Ausbildung wird jetzt gerade auf vier Jahre ausgeweitet.

Natascha Schindl: Die Ausbildung gliederte sich zu meiner Zeit in einen theoretischen und einen praktischen Teil. Der theoretische Teil bestand aus Seminaren der Humanwissenschaften und Seminaren zur Didaktik. Der praktische Teil mit den Lehrauftritten in Besuchsschulklassen kam meiner Meinung nach viel zu kurz, denn Lehren lernt man erst in der Klasse. Die Ausbildung beginnt nach dem Maturaabschluss. Die Pädagogische Hochschule, Lehramt Volksschule, wird besucht. Man schließt das Lehramtsstudium mit dem „Bachelor of Education“ oder Master ab. Der Bachelor dauert 6 Semester, der Masterlehrgang weitere 6 Semester, diesen kann man aber auch neben dem Beruf absolvieren.

Jobreporterin: Habt ihr gleich nach Beendigung eures Studiums einen Job bekommen?

Natascha Schindl: Ich habe gleich im Herbst nach meiner Lehramtsprüfung eine Anstellung bekommen und soviel ich weiß, werden auch jetzt Lehrerinnen und Lehrer gebraucht.

Jobreporterin: Die GTVS der Aspernallee gilt als eine der besten Schulen in Wien und genießt einen hervorragenden Ruf. Was ist eurer Meinung nach das Geheimnis dieses Erfolges?

Daniele Hainka: Den Ruf hat sich die Schule dadurch aufgebaut, dass sie eine der ersten oder die erste ganztägig geführte Schule Wiens war. Ein Grund, warum Eltern noch immer unsere Schule so schätzen, ist die traumhafte Lage mitten im Grünen. Die Kinder haben viele Möglichkeiten, sich an der frischen Luft zu bewegen, ohne viele Straßen überqueren zu müssen. Außerdem versuchen wir den Kindern viele verschiedene Freizeitmöglichkeiten anzubieten – kreativ, musisch, sportlich. Für unseren guten Ruf sorgen auch die Eltern, die selbst gerne so eine Schule besucht hätten, aber auch die Zusammenarbeit zwischen Schule und Eltern. Wenn sich Kinder in der Schule wohlfühlen, dann ist es leicht, Positives weiterzugeben ;-). Pädagogisch gibt es eher wenig Unterschiede zu vielen anderen Schulen.

Jobreporterin: Welche Schwerpunkte setzt ihr in eurem Unterricht? Was sollten die Kinder können, wenn sie aus der 4. Klasse kommen?

Daniele Hainka: Ich selbst versuche den Kindern einen bunten Mix aus gebundenem Unterricht, also eher lehrerzentrierten Phasen, aber auch offenen Arbeitsweisen anzubieten, sodass für jedes Kind etwas dabei ist und sich jedes Kind optimal entwickeln kann. Meine Schwerpunkte setze ich den Interessen der Kinder entsprechend Nicht jedes Kind ist sportlich oder kann malen. Ich versuche aber, in allen Bereichen die Kinder zu motivieren und dazu zu bringen, Neues auszuprobieren. Wichtig ist für mich, dass die Kinder am Ende der Volksschulzeit in ihrer Persönlichkeit gefestigt sind, auch alleine arbeiten können, etwas alleine präsentieren können, eine eigene Meinung haben, sich auch trauen, diese zu vertreten, und vor allem selbstbewusst sind. Was die Kinder am Ende der 4. Klasse können müssen, wird ohnehin immer mehr durch Standards (in Deutsch und Mathematik) und irgendwelche Tests (z. B. der Wiener Lesetest) geregelt.

Jobreporterin: Was ist heute am Unterricht anders als früher? Gibt es Unterschiede?

Daniele Hainka: An sich lernen die Kinder in der Volksschule wie eh und je lesen, schreiben und rechnen. Ich finde es aber gut, dass wir versuchen, Kindern in der Volksschule den Druck zu nehmen. Jedes Kind soll in seinem Tempo arbeiten und reifen können. Unsere Schule war durch den Ganztagsschulschwerpunkt immer schon anders als andere Schulen, und dieses System gefällt mir wirklich gut.

Jobreporterin: Welche Herausforderungen siehst du für die Zukunft?

Daniele Hainka: Weiterhin Kinder optimal zu fördern, noch mehr auf Begabungen einzugehen, nie die Freude bzw. den Spaß am Unterrichten zu verlieren, ständige Weiterbildung, Weiterentwicklung.

Jobreporterin: Was müssen zukünftige Volksschullehrer/innen beachten? Womit müssen sie sich auseinandersetzen?

Daniele Hainka: Mehr wissenschaftliches Arbeiten, mehr Elternarbeit, viel mehr individuelles Fördern, Begabungen erkennen und möglichst die Bildungsstandards erreichen. Ich glaube, dass der Aufgabenbereich ein immer größerer wird ... oft bleibt dann aber zu wenig Zeit für das Wesentliche – das Unterrichten, der Kontakt mit den Kindern, das Eingehen auf jedes einzelne Kind.

Zusammengefasst: Volkschullehrer/in ist ein anstrengender, aber spannender, abwechslungsreicher und sicherlich lohnender Beruf. Die Lehrer/innen haben die wichtige Aufgabe, den Kindern das notwendige Rüstzeug für das Leben mit zu geben. Was man in der Volksschule nicht lernt, lernt man nie wieder. Wer also diesen Beruf anstrebt, sollte sich dieser Verantwortung bewusst sein. Am wichtigsten ist die Freude, mit Kindern arbeiten zu wollen. Alles andere kann man „erlernen“. Gute Lehrer/innen kommen nicht außer Mode und sind an jeder Schule herzlich willkommen.

Vielen herzlichen Dank an Natascha Schindl, Daniele Hainka und Martina Cerny für ihren unermüdlichen Einsatz an den Kindern und dass sie außerdem Zeit gefunden haben, sich meinen Fragen zu stellen.

Zur Autorin:
Elisabeth, 16 Jahre, Wien



Fotocredit: AMS/Frank Helmrich

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