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Foto Pschyrembel

Sierning, 09.12.2013

Jobreportage 9: Berufsentscheidung auf Umwegen

Es gibt Menschen, die wissen sehr schnell, welchen Beruf sie ausüben wollen und bleiben auch bei ihrem Entschluss. Viele haben jedoch weniger Glück und wissen nur vage was sie später gerne machen würden. Einige brauchen auch mehrere Anläufe, um den Beruf zu finden, der für sie passt. Die 52-jährigen Emilia Teiser aus Linz ist eine von ihnen.

Auf Emilia Telsers Schreibtisch befinden sich Schulhefte, ein nicht ganz zugeklappter Laptop, Familienfotos und – ganz im Eck – eine ein wenig verstaubte ältere Ausgabe des klinischen Wörterbuchs Pschyrembel. Unterhält man sich über ihr Leben, dann fügen sich all diese Gegenstände nahtlos in ihre Geschichte ein.

Emilia kommt 1949 zur Welt, der Vater ist Direktor an einer BHS, die Mutter Sekretärin. Emilia bleibt das einzige Kind, und wie das häufig bei Einzelkindern ist, bekommt sie neben viel Aufmerksamkeit auch noch hohe Erwartungen mit auf den Weg. Für die Eltern ist es nur legitim, dass die Tochter sich für ein ordentliches Fach inskribiert: entweder Jus oder Medizin.

Es wird Medizin. Emilia geht nach Innsbruck. Doch das Heimweh plagt sie und fast noch mehr die vielen Studenten, die mehr Konkurrenten als Kommilitonen sind. Emilia geht deshalb nach Salzburg, beginnt Biologie zu studieren, und bricht auch dieses Studium ab. „Ein Einser im Maturazeugnis heißt noch nicht unbedingt, dass man dazu prädestiniert ist, jenes Fach auch zu studieren. Aber später ist man halt immer schlauer", so Emilia heute. Da es mit den Naturwissenschaften nicht so wirklich funktionieren wollte, entscheidet sich die junge Frau für ein Französisch-Studium.

„Ich bin immer noch überrascht und froh darüber, dass meine Mama damals so viel Geduld mit mir hatte.“ Denn obwohl ihr das Studium am Herzen liegt, sind nun Männer und Reisen ungleich wichtiger. Demotiviert von schlechten Noten, hört sie schließlich ganz mit der Uni auf. Heute überlegt Emilia manchmal, ob sie nicht doch hätte weiterstudieren sollen, denn die französische Sprache und Kultur gefallen ihr nach wie vor.

Letzten Endes schreibt sie sich an der Pädagogischen Hochschule in Linz ein. Dieses Studium schließt sie auch erfolgreich ab. „Dazu gebracht hat mich die Mama meines damaligen Freundes. Auch wenn der Beruf nicht unbedingt zu den geachtetsten gehört, hab ich die Entscheidung nie bereut und bin froh, mich nicht jahrelang durch ein Studium gequält zu haben, nur um allen anderen zu imponieren“, so Emilia. Den Pschyrembel schlägt sie nur mehr ganz selten auf.

Zur Autorin:
Edda, 17, Sierning/Oberösterreich



Fotocredit: AMS/Frank Helmrich

 

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