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AMS Jobreportage Geigenbauerin

Wien, 06.12.2013

Jobreportage 7: Interview mit einer Geigenbauerin

Meine Tante ist Geigenbauerin und ihr Name ist Henriette Lersch. Sie ist 1974 in Essen, Deutschland, geboren und lebt jetzt als selbstständige Geigenbauerin in Wien. Ich wollte mehr über den Geigenbau erfahren, weil dieser Beruf sehr selten, spannend und interessant ist. Außerdem ist es ein sehr vielseitiger Beruf und ein sehr altes traditionelles Handwerk.

Jobreporter: Was kann man sich unter „Geigenbau“ vorstellen?

Henriette Lersch: Man kann den Geigenbau auf verschiedene Arten ausüben. Es gibt Personen, die nur Handel mit Geigen betreiben, Personen, die sie nur reparieren, und wieder andere Personen, die sich auf den Geigenbau spezialisiert haben. Ich mache alles. Der Geigenbau ist ein sehr abwechslungsreicher Beruf und das Tolle daran ist, dass man nie auslernt.

Jobreporter: Wie oder wann bist du auf die Idee gekommen, Geigenbauerin zu werden?

Henriette Lersch: Das war kurz vor meiner Matura. Mich hat sehr viel interessiert und irgendwann hatte ich die Idee, einfach etwas ganz anderes zu machen. Dann habe ich einen Kurs gemacht, wo ich Instrumente bauen lernte, und danach wusste ich sicher, dass dieser Beruf der richtige für mich ist.

Jobreporter: Wie war dein Ausbildungsweg?

Henriette Lersch: Ich bin zuerst ein Jahr auf eine italienische Geigenbauschule gegangen, denn es ist sehr schwer, eine Lehrstelle zu bekommen. Danach habe ich einen Ausbildungsplatz in Bayern gefunden, wo ich die klassische Lehre mit Gesellenprüfung abgeschlossen habe. Die Lehre hat drei Jahre gedauert, die Schule in Italien hätte vier Jahre gedauert. Und danach habe ich noch sieben Jahre gearbeitet, bevor ich meine Meisterprüfung gemacht habe. Also insgesamt 11 Jahre bis zur Meisterprüfung.



Jobreporter:
Was sind für dich die positiven Seiten deines Berufs?

Henriette Lersch: Der Beruf kann sehr abwechslungsreich sein. Man hat mit interessanten Menschen zu tun, mit Musikerinnen und Musikern. Und ich finde es einfach irrsinnig interessant, wie ich als Geigenbauerin den Klang des Instruments beeinflussen kann. Man verändert nur eine Kleinigkeit, und schon klingt die Geige dann auch ganz anders. Ich finde es sehr spannend, sich damit zu beschäftigen, warum was wie klingt.

Jobreporter: Was magst du nicht so gerne an deinem Beruf?

Henriette Lersch: So wie in jedem Beruf – Routinearbeiten, die halt regelmäßig gemacht werden müssen, wie Griffbrett hobeln. Das macht mir überhaupt keinen Spaß.

Jobreporter: Welche Eigenschaften sollte man besitzen oder sich aneignen, wenn man Geigenbauerin oder Geigenbauer werden will?

Henriette Lersch: Man braucht ein gutes Gehör und man sollte bereit sein, auch ins Ausland zu gehen, um dort zu arbeiten. Ich war zum Beispiel in New York und Utrecht. Man lernt viel, wenn man von verschiedenen Meistern lernen kann. Weitere nützliche Eigenschaften: handwerkliches Geschick, ein gutes Auge für die Feinheiten und sehr viel Geduld.

Jobreporter: Was würdest du jungen Menschen raten, die auch Geigenbauerin oder Geigenbauer werden wollen?

Henriette Lersch: Ich würde ihnen raten, mit viel Geduld an die Sache heranzugehen. Sprachen zu lernen, das ist ganz wichtig. Also für mich war das ganz wichtig, weil ich ja so viel im Ausland gearbeitet habe. Ein Streichinstrument zu lernen und wenn möglich in einem Kurs auszuprobieren, ob einem der Instrumentenbau auch liegt. 

Jobreporter: Danke für das Interview!

 

Mehr zu Henriette Lersch: http://www.lerschgeigenbau.at  

Infos zu Ausbildungsmöglichkeiten in Österreich:
AMS Berufslexikon
AMS Berufsinformation 
Bundesinnung Kunsthandwerke
Lehrberufsservice des Bundesministeriums für Wirtschaft, Familie und Jugend

Zum Autor:
Constantin, 14 Jahre, Wien



Fotocredit: AMS/Frank Helmrich


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